So schütze ich mich vor Mietnomaden

Bild: Mietnomaden

30 Jun 2017 Kategorien: Allgemein

Es beginnt immer sehr ähnlich. Einer der Mieter muss familienbedingt umziehen, die Mietwohnung wird frei, die Gegend zählt womöglich nicht zu den Top-Lagen, so dass der Vermieter zunächst erfreut ist, wenn sich auf seine Anzeige schnell Interessenten melden. Bei der Wohnungsbesichtigung stellt sich dann ein durchaus nettes Ehepaar oder eine sympathische Familie vor. Die ‘Chemie‘ scheint zu stimmen, Lob über die schöne Wohnung hört der Vermieter natürlich auch gerne.

Kurzum die Mietnomaden erzeugen sehr gekonnt eine lockere Plauder-Atmosphäre, die Bedenken vergessen lässt und schnell zum Vertragsschluss, Schlüsselübergabe und Einzug führt.

Problem: Zeit!

Ist dieses Stadium erreicht, ist der Vermieter -etwas abhängig von der Region- meist schon systembedingt im Nachteil. Wird die Miete nicht oder schleppend gezahlt, so muss der Mieter mahnen oder kann je nach Rückstand (§ 543 BGB) evtl. auch schon kündigen. Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen der Miete erfordern jedoch einen gerichtlichen Zahlungstitel – Zeitaufwand! Die Erwirkung des Titels kann man sich oft jedoch sparen, weil meist ohnehin nichts bei den Mietnomaden zu holen ist. Weigert sich der Mieter auszuziehen, darf der Vermieter erst dann Zwangsmittel einsetzen, wenn ein gerichtlicher Räumungstitel vorliegt – erheblicher Zeitaufwand! Ehe der Vermieter also irgendwelche Zwangsmaßnahmen ergreifen darf, muss er zunächst selbst tätig werden – und bei der Überlastung der Gerichte und Gerichtsvollzieher-besonders in Großstädten- kann das dauern, oft viele Monate!

Sind die Mietnomaden heimlich ausgezogen, stellt sich zwar die Frage nach dem Räumungstitel nicht mehr; hier ist die Frage, wie realistisch der Vermieter an seine rückständige Miete kommt und seinen Schadensersatzanspruch wegen der evtl. verwüsteten Wohnung durchsetzen kann. Selbst wenn man die jeweils neuen ladungsfähigen Adressen der Mietnomaden herausfindet, lange blieben diese Adressen nicht aktuell und zu pfänden dürfte wohl auch eher nichts sein. Das Mietausfall-Risiko kann durch eine entsprechende Versicherung minimiert werden. Hier gilt es aber, sich die Versicherungsbedingungen genau anzusehen. Anwalts- und Gerichtskosten sind dabei nach den meisten Verträgen ebenfalls nicht abgedeckt!
Die Situation und Handlungsmöglichkeiten für die Vermieter stellen sich ab dem Vertragsschluss und Einzug der Mieter also als eher nachteilig dar.

Gesunde Skepsis und Selbstauskunft

Der Vermieter sollte sich vergegenwärtigen, dass er es bei Mietnomaden letztlich mit kriminellen Betrügern zu tun hat – und Betrüger geben sich naturgemäß umgänglich und freundlich.
Dies bedeutet, Freundlichkeit ist oft Masche und gibt keinerlei Sicherheit!
Der Vermieter sollte sich also keinesfalls von lockeren Plaudereien und Komplimenten ablenken lassen vom Wesentlichen. Vielmehr sollte er freundlich, aber unmissverständlich eine detaillierte Selbstauskunft mit Nachweisen über Höhe und Regelmäßigkeit des Gehalts, Kontoauszüge für mehrere Monate sowie eine Bonitätsauskunft der SCHUFA einfordern oder diese vermieterseits selbst einholen.

Seriöse Interessenten zeigen in aller Regel Verständnis für solche Maßnahmen.

Die Kontrolle des Personalausweises sollte ebenfalls Standard sein. Oft findet man im Internet in sozialen Netzwerken oder mit Hilfe von Suchmaschinen hilfreiche Informationen über die Interessenten heraus. Hier ist aber darauf zu achten, dass es sich bei den im Internet gefundenen Daten tatsächlich um die richtigen Personen handelt. Fotos in den sozialen Netzwerken können bei der Eingrenzung helfen! Auch die Suche der Namen in Kombination mit Begriffen wie ‘Abzocke’ oder ‘Mietnomaden’ kann zu Treffern führen.
Auch die Frage nach dem Namen oder einer Referenz des Vorvermieters minimiert das Risiko. Mietnomaden werden versuchen, dieses Thema möglichst elegant zu umgehen.

Wird der Vermieter übrigens bei der Selbstauskunft getäuscht, stellt dies einen eigenen Kündigungsgrund dar, soweit die Täuschung bewiesen werden kann.

Vertragliche Sicherungen!

Zusätzlich dazu sollte der Vermieter bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten im Mietvertrag zu weiteren Sicherungsmaßnahmen nutzen.
So sollte eine Klausel eingebaut sein, wonach vor Einzug und Schlüsselübergabe zuerst die vollständige Kaution und evtl. auch die erste Miete bezahlt worden sein müssen. Der Vermieter sollte sich dann aber auch keinesfalls davon abbringen lassen.
Auch eine Klausel im Mietvertrag, wonach eine regelmäßige Begehung der Wohnung vereinbart wird, erleichtert die Kontrolle. Zudem wird der Vermieter in die Lage versetzt, bei Mängeln sehr zeitnahe Gegenmaßnahmen einzuleiten. Je früher bestimmte Maßnahmen wie Mahnung, Kündigung, Aufforderung zur Räumung -jeweils alles mit Fristsetzung- und schließlich Erhebung der Räumungsklage selbst, erfolgen, desto größer ist die Chance, den Schaden entsprechend minimieren zu können.
Bei einer fristlosen Kündigung sollte der Vermieter zur Sicherheit auch immer hilfsweise fristgemäß kündigen. Falls dann die fristlose Kündigung einer rechtl. Prüfung nicht standhalten sollte, hat man jedenfalls die Frist für die fristgemäße Kündigung in Gang gesetzt.

Tipp:
Sollte schließlich die Räumung anstehen, so empfiehlt es sich für den Vermieter mit dem Gerichtsvollzieher eine sogenannte ‘Berliner Räumung‘ zu vereinbaren. Der Gerichtsvollzieher setzt dabei nur noch die Mietnomaden aus der Wohnung, die Gegenstände verbleiben in der Wohnung oder werden in ein durch den Vermieter gestelltes Behältnis verbracht – spart Zeit und Kosten!

Quelle: www.rechtsanwalt-joppe.de

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